Corona: Reise stornieren? Geld zurück oder Gutschein? - 100-Euro-Reisegutschein.de

Corona: Reise stornieren? Geld zurück oder Gutschein?

Corona-Krise:
Kann ich meine Reise stornieren?

Corona: Reise stornieren?

Reise stornieren

Pauschalreise kostenlos stornieren

Eine Pauschalreise kann kostenfrei storniert werden, wenn:

  • ➔ "unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände" am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe auftreten,
  • ➔ ein Einreiseverbot für das Reiseland (Zielort) besteht oder
  • ➔ eine Reisewarnung des Auswärtigen Amt vorliegt.
Reisewarnung

© Auswärtiges Amt - Reisewarnung

Update:
Die weltweite Reisewarung in 160 Länder wurde bis zum 14.09.2020 verlängert!

Stornierung

Reisen die ab dem 15.06.2020 stattfinden sollen, können nur kostenfrei storniert werden, wenn eine Reisewarnung des Auswärtigen Amt vorliegt, "unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände" am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe auftreten oder ein Einreiseverbot für das Reiseland (Zielort) besteht.

Wer bereits selbst kostenpflichtig storniert hat, sollte mit seinem Veranstalter Kontakt aufnehmen. Liegt zum Reisezeitpunkt (wieder) eine Reisewarnung des AA oder unabwendbare und außergewöhnliche Umstände vor, müssen Stornozahlungen vom Veranstalter erstattet werden. Eine Rechtsberatung ist zu empfehlen.

Schlusszahlung

Werden Schlusszahlungen für Pauschalreisen mit Abreise nach Ende der Reisewarnung oder Stornozahlungen fällig, müssten diese normalerweise gezahlt werden. Allerdings kann man gemäß § 321 BGB per Unsicherheitseinrede die Zahlungsverpflichtung so lange aussetzen, bis geklärt ist, ob die Pauschalreise tatsächlich stattfindet.
Einige Reiseveranstalter setzen die jetzt fälligen Schlusszahlungen aus.

Aufgrund der finanziellen Situation der Reiseindustrie und fragwürdigem Insolvenzschutz sollten Zahlungen entweder per SEPA-Lastschrift oder Kreditkarte erfolgen.

Hotel kostenlos stornieren

Eine Vielzahl der Hotelbuchungen über Booking, Expedia & Co können kostenfrei storniert werden.
So lange eine Reisewarnung besteht oder Grenzschließungen eine Einreise verhindert, sollten Stornierungen auch kostenlos möglich sein, die sonst kostenpflichtig wären. Wer seine individuell gebuchte Unterkunft aus den genannten Gründen nicht nutzen kann, braucht sie, sofern deutsches Recht gilt auch nicht zu bezahlen - siehe §275 (Unmöglichkeit) und §313 (Zumutbarkeit) BGB.
Wer hingegen seine Unterkunft direkt im Ausland gebucht hat, muss sich mit der Rechtslage seines Reiseziel auseinander setzen.
Stornierung sind beispielsweise wegen höherer Gewalt (Spanien), Wegfall der Vertragsgrundlage (Österreich, Italien) oder Grenzschließungen mit Einreiseverbot (Frankreich, Tschechien, Polen u.a.) grundsätzlich kostenfrei möglich.

In Deutschland wurden alle Hotels für touristische Zwecke bis auf Widerruf geschlossen.

Flug, Bahn und Bus Annullierungen

Kommission veröffentlicht Leitlinien zu den Passagierrechten in der EU:

Gutscheine oder Umbuchungen müssen nicht akzeptiert werden!

Bei Annullierungen muss das Beförderungsunternehmen den Passagieren die Kosten erstatten oder sie anderweitig befördern. ... Gleichzeitig wird in den Leitlinien klargestellt, dass die derzeitigen Umstände "außergewöhnlich" sind, was zur Folge hat, dass bestimmte Rechte – wie Entschädigungen bei Annullierung eines Fluges weniger als zwei Wochen vor dem Abflugdatum – möglicherweise nicht geltend gemacht werden können.

EU-Passagierrechte
Anspruch auf Barerstattung

Pauschalreise: Geld zurück oder Gutschein

Gutschein

 NEU: 
© Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz 20.05.20
Eckpunkte des geplanten Gesetztentwurf für freiwillige Gutscheine beschlossen:
➔ Für stornierte Pauschalreisen (vor dem 08.03.2020 gebucht) können Gutscheine statt "Geld zurück" angeboten werden.
Der gesetzliche Erstattungsanspruch (Geld zurück binnen 14 Tage) bleibt erhalten, die Gutscheine sind freiwillig.
➔ Die Gutscheine sind über den Reisesicherungsschein versichert, im Insolvenzfall ist der volle Reisepreis über eine staatliche Garantie ergänzend abgesichert.
➔ Gültigkeit: 31.12.2021
➔ Wird der Gutschein nicht bis spätestens Ende 2021 eingelöst, ist dieser auszuzahlen.

Unklar ist, ob die geplanten Gutscheine nur über den selben Buchungswegs eingelöst werden können und übertragbar sind. Ob bereits ausgereichte Gutschein ebenfalls unter den geplanten Insolvenzschutz fallen, ist derzeit ebenfalls unklar.

Geld zurück

© Europäische Kommission 13.05.20
Anspruch auf Barerstattung: Nach EU-Recht haben Reisende einen Anspruch darauf, zwischen Gutscheinen und einer Barerstattung für annullierte Tickets (für Flug-, Bahn- und Busreisen sowie Überfahrten mit einer Fähre) oder Pauschalreisen zu wählen. Mit der Empfehlung der Kommission wird dies bekräftigt und zugleich sichergestellt, dass Gutscheine eine praktikablere und attraktivere Alternative zur Erstattung des Geldwerts für im Kontext der aktuellen Pandemie annullierte Reisen werden, durch die Reiseveranstalter auch finanziell stark unter Druck geraten sind. Die auf sollten vor einer Insolvenz des ausgebenden Unternehmens geschützt, mindestens 12 Monate gültig und bei Nichteinlösung nach höchstens einem Jahr erstattbar sein. Sie sollten den Passagieren zudem ausreichende Flexibilität bieten und es ihnen erlauben, auf derselben Strecke zu denselben Konditionen zu reisen. Ferner sollten sie es ermöglichen, eine Pauschalreise mit gleichartigen Leistungen oder gleichwertiger Qualität zu buchen. Überdies sollten sie auf einen anderen Reisenden übertragbar sein.

Geld zurück Musterbrief der Verbraucherzentrale

Die Rechtslage ist eindeutig:

§ 651h - Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

Pauschalreisevertrag, Reisevermittlung und Vermittlung verbundener Reiseleistungen

(3) ... kann der Reiseveranstalter keine Entschädigung verlangen, wenn am Bestimmungsort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen. ...

(5) Wenn der Reiseveranstalter infolge eines Rücktritts zur Rückerstattung des Reisepreises verpflichtet ist, hat er unverzüglich, auf jeden Fall aber innerhalb von 14 Tagen nach dem Rücktritt zu leisten.

RICHTLINIE (EU) ... über Pauschalreisen und verbundene Reiseleistungen

Artikel 12
Beendigung des Pauschalreisevertrags und Recht zum Widerruf vor Beginn der Pauschalreise

(2) ... hat der Reisende das Recht, vor Beginn der Pauschalreise ohne Zahlung einer Rücktrittsgebühr vom Pauschalreisevertrag zurückzutreten, wenn am Bestimmungsort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen. Im Fall des Rücktritts vom Pauschalreisevertrag gemäß diesem Absatz hat der Reisende Anspruch auf volle Erstattung aller für die Pauschalreise getätigten Zahlungen, jedoch auf keine zusätzliche Entschädigung.

(4) ... Der Reisende erhält diese Erstattungen oder Rückzahlungen unverzüglich und in jedem Fall innerhalb von spätestens 14 Tagen nach Beendigung des Pauschalreisevertrags.

Muss ich ein Gutschein akzeptieren?

Nein, es muss kein Gutschein akzeptiert werden.

Was spricht für einen Gutschein?

Was spricht gegen einen Gutschein?

Quo Vadis Pauschalreise

Seit der Cook-Pleite diskutiert die Branche über verloren gegangenes Vertrauen in die Pauschalreise. Viele Kunden warten noch immer auf ihr Geld aus der Cook-Staatshaftung.

Veranstalter und Politik haben entgegen geltenden Rechts versucht, die Kunden zwangsweise zum Kreditgeber zu machen und Gutscheine durchzusetzen. Reiseveranstalter haben Rückzahlungen rechtswidrig verzögert oder verweigert. Wenn die EU nicht klare Grenzen gesetzt hätte, wären Gesetze zu Ungunsten der Bürger gebeugt und rückwirkend geändert worden.

Wieder einmal wurde das Vertrauen in die Pauschalreise schwer beschädigt.
Die Pauschalreise ist tot! Lang lebe die Pauschalreise?
Voraussetzung dafür ist aber die 100%ige Abgesicherung der Kundengelder. Noch wichtiger sind tragfähige Konzepte. Massenunterkünfte mit Billig-All-Inclusive Buffets und Fuseldrinks, engste Bestuhlung im Charterflieger und überfüllte Strände sind weder coranatauglich, noch zukunftsfähig. Die Pauschalreise muss individueller, ökologischer und nachhaltiger werden.
Jetzt ist die Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen.